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für den 25.09.2020

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Tansania Partnerschaft

Chorbegegnung 2010 in KusiniA

Eine Reise zu Freunden - eine Reise in eine andere Welt

Eine Reise zu Freunden - Jugendchorfahrt nach KusiniA 2010 LupeEine Reise zu Freunden - Jugendchorfahrt nach KusiniA 2010

so haben die Jugendlichen unseres Jugendchores und Pfarrerin Graner und Kantorin Wulzinger, die die Reise geleitet haben,  ihre Reiseeindrücke von der Partnerschaftsbegegnung in KusiniA vom 15.-30.7.2010 überschrieben.

 

Vorwort
Im Jahr 2008 hatte der Jugendchor der Friedenskirchengemeinde den Jugendchor unseres Partnerkirchenkreises Kusini A Tansania für vierzehn Tage nach Deutschland eingeladen. Es kamen zwölf Sängerinnen und Sänger und zwei begleitende Erwachsene. Gemeinsam nahmen die Chöre am internationalen Chorfestival „Europa cantat“ teil,  verbrachten Zeit in den Jugendchorfamilien, haben Konzerte gegeben und gemeinsam eine Woche in der Jugendherberge verbracht, um miteinander zu musizieren und einander etwas aus dem eigenen Alltag zu erzählen, vorzuspielen oder kreativ darzustellen. Das war eine sehr bewegende Zeit, nicht nur für die Jugendchöre sondern auch für die ganze Gemeinde, die regen Anteil an dieser Begegnung nahm. Der Abschied voneinander fiel schwer. Der damalige Delegationsleiter, Pfarrer Jackson Ruguma, bat uns, doch bald zum Gegenbesuch nach Tansania zu kommen. Diese Einladung haben wir gerne angenommen und uns entschlossen, für das Jahr 2010 eine Gegenbegegnung zu planen und vorzubereiten.

 

Ankunft in Entebbe LupeAnkunft in Entebbe

Ankunft

Im Sommer 2010 machten wir (vierzehn Jugendchormitglieder, zwei Eltern, die 2008 tansanische Gäste bei sich aufgenommen hatten, Kantorin Katharina Wulzinger und Pfarrerin Stefanie Graner) uns auf den Weg.
Schon der Empfang in Tansania war so bewegend, dass man es in einem solchen Bericht wahrscheinlich gar nicht wieder geben kann. Wir waren am Donnerstag, den 15.7.2010 nachmittags in Bonn aufgebrochen und erreichten am Samstag, den 17.7.2010 abends bei Einbruch der Dunkelheit nach langer Reise über Dubai, Addis Abeba, Entebbe und Bukoba unser Ziel in  unserem Partnerkirchenkreis Kusini A in Rwantege  auf dem Kirchengelände.

Wir waren mit den Jeeps kaum auf das Gelände gebogen, da kamen unsere Freunde schon angelaufen. Alle waren da und schlossen uns in die Arme. Wir haben uns umarmt und gedrückt und Tränen der Freude liefen über die Gesichter. Niemand von uns hatte damit gerechnet, dass es ein Wiedersehen geben würde und nun konnten wir einander wieder in die Arme schließen. Der Chorleiter Godwin hatte 2008 von seiner Gastfamilie eine Deutschlandfahne geschenkt bekommen (wir haben damals gemeinsam bei der Fußball-Europameisterschaft gefiebert), mit der er nun wehend angelaufen kam und in die er uns alle einwickelte. Unsere tansanischen Freunde begannen die deutschen Lieder zu singen, die sie damals mit uns gelernt hatten, und wir stimmten tief bewegt mit ein, denn keiner von uns hatte die schöne, gemeinsame Zeit vergessen und sie war mit einem Mal wieder lebendig.
Wir wurden dann zur Andacht in die Kirche geführt, wo für unsere Ankunft gedankt wurde und wir mit einem selbst gedichteten, englischen Lied begrüßt wurden. Es erzählte davon, wie lange unsere Freunde auf dieses Wiedersehen gewartet haben und dass sie nicht geglaubt haben, dass es Wirklichkeit werden würde.

Am Sonntag erlebten wir erst einmal vier Stunden afrikanischen Gottesdienst auf nüchternen Magen. Aber die Jugendlichen nahmen auch diese Anstrengung mit Bravour, wie sie überhaupt offen und fröhlich auf alles reagiert haben, was ihnen begegnete. Sie haben sich in der ganzen Zeit großartig verhalten und unsere Gastgeber haben alles dazu getan, dass wir uns wohl fühlen konnten.  Nach dem Mittagessen war das erste Konzert. Der Dorfplatz war gefüllt mit Menschen, die gekommen waren, um die fremden Gäste zu sehen. Auch wir gewannen viele fremde Eindrücke über die afrikanische Musik, die kulturellen Tänze, die Lieder. Für unsere Jugendlichen war es schwer, zu erleben, dass die Afrikaner zum Teil mit Unverständnis und Gelächter auf ihre Vorträge reagiert haben. Aber es war sehr interessant zu beobachten, wie sie lernten, damit umzugehen und ein bisschen zu verstehen, wie fremd sie in dieser Welt wirken. Auch ihren Vortrag haben sie in diesen Begegnungen verändert und durch Bewegungen und Gesten bereichert, die zum Verständnis beigetragen haben. Das Programm wurde um zwei alte, deutsche Kontratänze erweitert, die mit den afrikanischen Jugendchormitgliedern gemeinsam eingeübt wurden.

 

 

Bei den Gastfamilien LupeBei den Gastfamilien

In den Gastfamilien

Am Abend sind wir dann auf die Dörfer verteilt worden und waren zu zweit in Gastfamilien untergebracht. Obwohl alle in diesem Augenblick ein wenig angespannt waren, was uns nun erwarten würde, waren die Tage in den Gastfamilien eine wunderbare Erfahrung. Wir haben viel vom Alltag miterlebt:
- wie jeder Eimer Wasser von der Quelle unten im Tal hinauf bis ins Dorf getragen werden muß,
- wie Heu und Feuerholz gesammelt und auf dem Kopf nach Hause transportiert werden,
- wie Bananen und Wurzelfrüchte geerntet und verarbeitet werden,
- wie Kaffee angebaut, geerntet, getrocknet und für die Weiterverarbeitung verpackt wird,
- wie draußen in der Küche unter freiem Himmel auf einer Feuerstelle stundenlang gekocht wird, um eine Mahlzeit mit verschiedenen Beilagen zuzubereiten. 

Wir haben erlebt, dass am Abend nur eine Petroleumlampe das Haus erleuchtet, weil es keinen Strom gibt, dass die Toilette 20 Meter weit im Bananenfeld steht und dass das Badezimmer aus Eimern mit Wasser und einem Messbecher besteht, mit dem man sich das Wasser über den Körper gießen kann. In diesen Tagen haben wir viele Besuche gemacht, bei Verwandten und Freunden unserer Gastgeber. Wir waren eingeladen bei den ärmeren Chorfamilien, die nur in einfachen Lehmhütten leben und keine Gäste beherbergen konnten, aber auch Gastgeber sein wollten und zumindest zu einem kleinen Fest vor ihrer Hütte eingeladen haben. Immer wieder kam auch in unsere Gastfamilien Besuch, der uns in Tansania willkommen heißen wollte und dabei nicht scheute, stundenlange Fußwege in Kauf zu nehmen.  Neben dem Alltag mit den zu erledigenden Arbeiten, lernten wir auch das Leben von Kindern und Jugendlichen bei Besuchen im Kindergarten und in verschiedenen Schulen kennen. Besuche bei den Handwerkern standen ebenfalls auf dem Programm, so dass wir sehen konnten, wie viele der Gegenstände, die bei den Familien im Haushalt gebraucht wurden, hergestellt werden.  Und wir besuchten einen traditionellen Medizinmann, der Patienten, die psychisch erkrankt sind oder Suchtprobleme haben mit den Methoden  und Medizin behandelt, die er von seinen Vorfahren übermittelt bekommen hat. Diese Patienten haben oft schon erfolglos den Weg durch die Schulmedizin beschritten, bevor sie sich an ihn wenden. All diese Besuche stellten auch eine Herausforderung an unsere Jugendlichen dar. Sie erlebten, dass mit Menschen und Tieren anders umgegangen wird als bei uns, was manchmal auch unangenehm war. Es wurde deutlich, wie hart das Leben sein kann, und dass auch Kinder schon große Arbeitsleistungen vollbringen müssen. Doch alles wurde übertroffen von der Gastfreundschaft, mit der wir überall aufgenommen wurden.

Konzerte und Besuchsprogramm

Nach drei Tagen trafen wir uns auf dem Kirchengelände in Rwantege wieder, voller Eindrücke und mit großer Dankbarkeit für diese tolle Möglichkeit, in den afrikanischen Familien zu Gast gewesen sein zu dürfen.
Die übrige Zeit verbrachten wir nun gemeinsam mit den Mitgliedern unseres tansanischen Partnerchores, mit gemeinsamen Proben für die Konzerte, aber auch mit Zeit zum Spielen und Musizieren und zum Reden über Gott und die Welt. Es war so schön, zu beobachten, wie herzlich und liebevoll die Jugendlichen miteinander umgehen, wie sie sich gegenseitig Kartenspiele beibrachten,  mit Begeisterung Fußball spielten,  miteinander gefeiert, getanzt und gelacht haben und wie sie auf der Wiese unterm Sternenhimmel lagen und sich über ihre Wünsche an das Leben ausgetauscht haben. Da war 2008 eine Freundschaft entstanden, die nun vertieft werden konnte. Daneben war aber auch das offizielle Programm mit Besuchen und weiteren Konzerten zu bewältigen. Nach dem Sonntagskonzert in Rwantege standen nun noch Konzerte in Buganguzi, Mushabago, Rwigembe und Ighabiro auf dem Programm. Außerdem besuchten wir die Krankenstationen in Rwantege und Rwigembe und hatten dort Gespräche mit den Mitarbeitern. Wir waren zu Gast an der Landwirtschaftsschule in Ighabiro und wurden über das Gelände und durch die Unterrichtsräume geführt und den Studenten vorgestellt. Wir trafen uns mit den Schülern, die über das Aidswaisenprojekt Huyawa und den Schulfond der Kirchengemeinde Hersel und der Friedenskirchengemeinde unterstützt werden.

Am Samstag sind wir in kleinen Gruppen, jeweils tansanische und deutsche Jugendliche, zum Wochenmarkt nach Nshamba gelaufen. Dort bestaunten wir das Treiben und die Waren und die Menschen bestaunten uns, manche auch mit Argwohn. „Welcome in Africa, here we are black“ schleuderte mir ein älterer Mann mit erhobener Faust entgegen. Schon bei den Schulbesuchen waren wir mit der Kolonialgeschichte konfrontiert worden und der Problematik, dass die Industrienationen sich bis heute keinesfalls selbstlos in Afrika engagieren sondern auf ihren eigenen Profit und die Erschließung neuer Märkte bedacht sind. So erlebten wir auch Ablehnung und Skepsis neben der großen Gastfreundschaft und Herzlichkeit. 

Unsere Partner versorgten uns auch in dieser Zeit, die die beiden Chöre gemeinsam auf dem Kirchengelände in Rwantege verbracht haben, sehr liebevoll. Von morgens bis abends war eine ganze Gruppe von Frauen damit beschäftigt für uns zu backen, zu kochen und zu spülen. Ich weiß nicht, wie viele Wassereimer von der Quelle zum Kirchengelände für uns getragen werden mussten. All das geschah oft im Verborgenen, aber wir waren sehr dankbar für diese große Gastfreundschaft und in den Pausen wurde immer wieder die Küche aufgesucht, um ein bisschen zu helfen, was unsere Gastgeber kaum erlauben wollten, und um zusammen zu sein. 

Bukoba und Rückkehr

Die letzten beiden Tage haben wir in Bukoba im Gästehaus der Evangelisch Lutherischen Kirche Tansanias verbracht, um noch ein bisschen Zeit zu haben, miteinander das Erlebte zu verarbeiten, bevor wir nach hause zurückkehren. Hier begegnete uns noch einmal ein anderes Afrika, da wir nun ja als Unbekannte in einer großen Stadt mit 700.000 Einwohnern unterwegs waren und aufgrund unserer Hautfarbe dennoch sofort auffielen. Viele Menschen beobachteten uns mit skeptischen Blicken und  reagierten ärgerlich auf unsere Photoapparate, obwohl wir nie Menschen ohne ihr Einverständnis photographierten. Wir unternahmen einen Ausflug nach Musila Island, bei dem wir zwar ordentlich in unseren Geldbeutel greifen durften und auf der Insel für unser Weiß-sein noch eine Zusatzgebühr bezahlen durften, aber ansonsten sehr unfreundlich behandelt wurden. Aber gerade diese auch eher negativen Begegnungen mit uns unbekannten Tansaniern machten unsere Jugendchorbegegnung umso wertvoller, weil wir hier, trotz der großen Unterschiede unserer Lebenswirklichkeiten, Vorurteile überwinden und einander mit Respekt und Zuneigung begegnen konnten.

 

Dankeschön

Wir sind sehr dankbar, dass wir diese besondere Reise machen durften, die nur möglich wurde, weil uns viele Menschen unterstützt haben.
Wir danken herzlich für die finanzielle Unterstützung durch den Kirchenkreis Bonn, die Quirinusbrunnenstiftung für Kinder- und Jugendarbeit der Friedenskirchengemeinde, das Goethe-Institut und alle Spender aus der Gemeinde.
Wir danken auch für die große Anteilnahme im Vorfeld der Reise, für die guten Wünsche und Gebete, die uns begleitet haben, und das herzliche Interesse an unserem Reisebericht mit Konzert am 12.9.2010.
Wir danken insbesondere Ulrike Hensel-Kornblum und dem Ausschuß für Weltmission und Ökumene. Ulrike Hensel-Kornblum hat diese Reise von der ersten Planung an mit großem Engagement befürwortet und begleitet.

Danke sehr – Asante sana !

 

 

S.Graner / K.Wulzinger /

 



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