Losung

für den 30.09.2020

Ich glaube, auch wenn ich sage: Ich werde sehr geplagt.

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Paten - Partner - Freunde

Rathstockpartnerschaft

Die Partnerschaft zwischen der Evangelischen Kirchengemeinde Rathstock im Oderbruch und der Friedenskirchengemeinde hat eine lange Geschichte

Zur Einweihung der Kirchenruine in Rathstock 1998 pflanzt Pfarrer Verhey einen Apfelbaum LupeZur Einweihung der Kirchenruine in Rathstock 1998 pflanzt Pfarrer Verhey einen Apfelbaum

Wie alles anfing

Bereits in den 60er Jahren hat die Evangelische Kirche in Deutschland Patenschaften von Kirchengemeinden im Westen mit Kirchengemeinden in der ehemaligen DDR vermittelt. Kirchengemeinden aus der Evangelischen Kirche im Rheinland haben Gemeinden aus der Brandenburgischen Kirche zugeteilt bekommen. Diese Patenschaften dienten zunächst dazu, die materielle Not in den Gemeinden des Ostens zu lindern. Über diesen Weg kam auch die Patenschaft des 2. Pfarrbezirks der Friedenskirchengemeinde für die Kirchengemeinde Sachsendorf im Oderbruch, zu der auch Rathstock gehörte, zustande.
Da ein offizieller Kontakt von Kirchengemeinde zu Kirchengemeinde in der damaligen Zeit von der Regierung in Ost Berlin nicht geduldet wurde, haben zunächst Gemeindeglieder aus den Gemeinden des Westens Pakete an Gemeindeglieder der Patengemeinde im Osten Deutschlands geschickt. Etwa zwei Dutzend Familien in Dottendorf und im Johanniterviertel packten Pakete für ebenso viele Familien in Sachsendorf und Rathstock. Frau Wilhelm, langjährige Presbyterin der Friedenskirchengemeinde, koordinierte in der ersten Zeit diese Arbeit in Bonn. Schnell wurden aus den Paketaktionen intensive Brieffreundschaften. Man nahm gegenseitig Anteil an den Schicksalen der Menschen und den Entwicklungen in den Gemeinden.

 

Pfarrer Verhey, Pfarrer Hemmerling, Frau Mittring in der Kirchenruine Rathstock LupePfarrer Verhey, Pfarrer Hemmerling, Frau Mittring in der Kirchenruine Rathstock

 

Erste Besuche in Rathstock

Als Pfarrer Mittring 1973 in die Friedenskirche kam, nahm die Patenschaft einen neuen Charakter an, sie wurde zur Partnerschaft. Im November 1973 fuhren Pfarrer Mittring, die damalige Gemeindeschwester Engelke und Frau Fichtner zum ersten Mal in den Oderbruch. Der Empfang durch die Gemeinde und den damaligen Pfarrer Thaens waren überaus herzlich. Der Westwagen musste im Pfarrhof vor den Blicken des DDR-Staates versteckt werden und mit dem Trabbi besuchten die Gäste aus Bonn die Freunde in der Gemeinde, die man bisher nur aus Briefen kannte. Durch die Durchsuchungen und Befragungen an der Grenze hatten die Reisen, die in den 70er und 80er Jahren, zweimal im Jahr Gemeindeglieder aus Bonn nach Sachsendorf und Rathstock brachten, immer auch etwas Bedruckendes. Schriftliche Unterlagen konnten nicht mit über die Grenze genommen werden, so prägten sich die Fahrenden vor der Reise genau ein, was sie den Freunden in Rathstock von der Entwicklung im Westen erzählen wollten. Und jedes Wort, das in Sachsendorf und Rathstock öffentlich gesprochen wurde, musste genau bedacht sein, damit man damit den Partnern nicht schadete. Umso bewegender war es für die, die damals teilnahmen, zu erleben, dass man trotz der so unterschiedlichen Lebensbedingungen doch die gleiche Bibel las und aus dem gleichen Gesangbuch sang. Es ging nicht mehr in erster Linie darum, die materiell ärmeren Geschwister im Osten zu unterstützen, sondern darum, sich auszutauschen, wie man unter ganz unterschiedlichen Rahmenbedingungen Christ sein und Gemeinde leben konnte und so am Reichtum der Erfahrungen der anderen Anteil zu bekommen. Viele langjährige, intensive Freundschaften entstanden in dieser Zeit. Nach Frau Wilhelm hat Frau Lieske die Partnerschaften über viele Jahre koordiniert, ist selbst oft in den Oderbruch gereist und hat Grüße von denen überbracht, die nicht selbst reisen konnten.

 

 

Gottesdienst mit Bläsern aus Bonn und Podelzig in der Kirchenruine Rathstock LupeGottesdienst mit Bläsern aus Bonn und Podelzig in der Kirchenruine Rathstock

 

Aus der Einbahnstraße wird eine Reisetätigkeit in beiden Richtungen

Vor dem Mauerfall konnten nur einzelne ältere Gemeindeglieder aus Rathstock auch einmal in den Westen reisen und die Friedenskirchengemeinde besuchen. Aber mit dem Mauerfall konnten nun auch Gemeindegruppen aus Rathstock nach Bonn in die Friedenskirchengemeinde kommen. So waren Gemeindeglieder aus Rathstock bei vielen wichtigen Ereignissen in der Geschichte der Friedenskirchengemeinde anwesend. Bei der Einführung der neuen Pfarrer, bei Gemeindefesten und zum 50 jährigen Geburtstag der Friedenskirche oder auch anlässlich des Kirchentages in Köln im vergangenen Jahr. Aber auch die Bonner reisen weiter regelmäßig in den Oderbruch und in den letzten Jahren oft auch mit größeren Gruppen. So waren der Posaunenchor, die Kantorei, sowie der JugendChor und Kids&BrassWoods schon in Rathstock. Wir konnten bei der Einweihung der restaurierten Kirchruine in Rathstock 1998 teilnehmen und bei der 650 Jahrfeier des Ortes Rathstock 2004.

Nach dem Ende der DDR hat sich auch viel in der Brandenburgischen Kirche verändert. Neben neuen Möglichkeiten und Aufbrüchen gibt es auch viele Umstrukturierungen. Das Pfarramt Sachsendorf wurde aufgelöst und die Gemeinden, die zu Sachsendorf gehörten, wurden auf die umliegenden Gemeinden verteilt. So gehört Rathstock schon seit 1997 zum Pfarramt in Podelzig. Der Partnerschaft zwischen den Gemeinden und den vielen über Jahrzehnte gewachsenen Freundschaften hat dies keinen Abbruch getan. Auch wenn die politischen Rahmenbedingungen inzwischen die gleichen sind, ist die Situation in Rathstock und in Bonn immer noch ziemlich unterschiedlich. 40 Jahre Sozialismus haben ihre Spuren in der Gesellschaft hinterlassen, genauso wie das Selbstbewusstsein, in dieser Zeit als Kirche widerstanden zu haben. Auch das Umfeld ist sehr unterschiedlich: Hier Stadt, dort Land; hier einen wirtschaftliche Boomregion, dort wirtschaftliche Schwierigkeiten, hier eine der jüngsten Gemeinden Bonns, dort eine Gemeinde aus der die jungen Menschen auf der Suche nach Arbeit wegziehen. Aber auch wenn unser Alltag in vielen Punkten immer noch verschieden ist, wir lesen immer noch die gleiche Bibel und singen aus dem gleichen Gesangbuch und die gegenseitigen Besuch und Kontakte bereichern unser Leben.

 

 

MV /

 



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