Losung

für den 18.07.2019

Der HERR ist geduldig und von großer Kraft, doch ungestraft lässt er niemanden.

Nahum 1,3

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Pfarrerin

Manuela Quester

Krankenhausseelsorgerin im Johanniter-Krankenhaus und im Marien-Hospital

Pfarrerin Manuela Quester LupePfarrerin Manuela Quester

Tel.: 0228 - 5433109
FAX: 0228 - 64 06 20
Email:
m.quester[at]friedenskirche-bonn.de

Motivation zum Beruf der Pfarrerin in der Krankenhausseelsorge

Ursprung
1957 wurde ich in Duderstadt als zweites von vier Kindern des Schachtmeisters Wilhelm Nolte und der Hausfrau Adelheid Nolte geb. Mahn geboren. Zu meiner Heimatkirchengemeinde, St. Servatius Duderstadt/Hannoversche Landeskirche, erhielt ich bereits ab dem dritten Lebensalter intensiven Kontakt durch den Kindergottesdienst. Eine große Freude waren mir schon als Kind und Jugendliche die Besuche bei alten und kranken Menschen. Der Kontakt zu ihnen fiel mir leicht, da auch Erfahrungen durch Kriegsverletzungen meines Großvaters und einer querschnittgelähmten Tante mir Sicherheit verliehen. Bis Anfang der 13. Klasse allerdings dachte ich wegen meiner Begabungen in den naturwissenschaftlichen Bereichen (Mathematik, Physik und Chemie) daran, Ingenieurin für Brückenbau zu werden. Ein Aufenthalt im Krankenhaus veranlasste mich zu der Entscheidung, Krankenhausseelsorgerin werden zu wollen, weil ich den Kranken nahe sein wollte, so wie Jesus in seiner Lebensgeschichte auch immer den Menschen heilend nahe gekommen ist und so im und durch den Glauben ein Hilfe für das Leben zu entdecken. Diese Entscheidung führte zur Aufnahme des ev. Theologiestudiums 1976 an der Universität in Göttingen. Schon in den Studienjahren war Seelsorge neben Kirchengeschichte und biblischer Theologie mein Lieblingsfach, ich knüpfte Kontakte zu Prof. Nembach und Hans-Christoph Piper und vertiefte dort meine Erfahrungen in der Krankenhausseelsorge sowohl theoretisch in Vorlesungen und Seminaren wie praktisch im Besuchsdienst an der Uniklinik in Göttingen und in der Reflexion und Analyse von Gesprächsprotokollen. Meine letzten Studiensemester ab 1981 verbrachte ich an der Universität in Bonn. Die Liebe zu meinem Mann Heinz Quester hatte mich Ende 1980 an den Rhein gebracht, er ist mir durch die ganzen Jahre meiner Tätigkeit als Seelsorgerin eine treue Rückenstärkung. 1983 begann ich mein Vikariat in Witterschlick und durfte neben der Gemeindearbeit dort weitere praktische Erfahrungen sammeln in der Krankenhausseelsorge im Malteser Krankenhaus in Bonn. Von 1985-1990 arbeitete ich in der Jankerklinik für Tumorkranke und in der medizinischen Poliklinik. Vom 1.9.1990 war ich als Pastorin im Sonderdienst im Johanniter Krankenhaus Bonn tätig und gehöre seitdem zur Friedenskirchengemeinde. Zum 1.1.1996 trat ich meine erste Pfarrstelle an in der evangelischen Friedenkirchengemeinde Bonn für Krankenhausseelsorge in den Evangelischen Kliniken Bonn-Betriebsstätte Johanniter Krankenhaus (50%) und im St.-Marien-Hospital Bonn (50%).

Biblische Worte, die mich leiten

Die biblischen Worte, die für mich leitend sind, stehen bei Mt. 25,36: "Jesus Christus spricht: Ich war krank und ihr habt mich besucht! und bei Jes. 35,3f „Stärkt die müden Hände und macht fest die wankenden Knie! Sagt den verzagten Herzen: »Seid getrost, fürchtet euch nicht! Seht, da ist euer Gott! «“

Grundsatz und unverzichtbare Grundlage meiner Arbeit als evangelischer Krankenhausseelsorgerin ist der Auftrag Jesu, sich Kranken zuzuwenden und ihren Glauben, ihre Hoffnung, ihr Lieben, ihren Mut und ihre eigenen Ressourcen zu stärken und zu fördern.
Auch die Heilungsgeschichten Jesu, die in den Evangelien überliefert sind, lassen Wesentliches erkennen für den Umgang mit Kranken, z.B. Mk. 8,22-26 (Heilung eines Blinden): vorlaufende und begleitende Fürsorge des sozialen Umfelds; Jesus lässt sich anrühren durch die Krankheit, d.h. er setzt sich dem Kranken aus, geht ihm nicht aus dem Weg, bleibt und hilft; Jesus sucht einen geschützten Ort auf, nimmt den Kranken beiseite, an einem Ort der Ruhe – dem alten Sinn der Hospize und Hospitäler; Jesus geht persönlich auf den Kranken ein bis hin zum Körperkontakt; Jesus nimmt sich Zeit.

Die Frage nach Heil und Heilung, der biblisch-theologischen Auslegung dieser Glaubenszeugnisse an einem Ort, wo Menschen mit ihrer Sehnsucht nach Genesung und Heilung kommen und Hilfe erwarten, aber eine Genesung nicht bei allen Patienten möglich ist, beschäftigte mich von Beginn meiner seelsorgerlichen Tätigkeit an. Viele Menschen müssen mit chronischer und/oder tödlicher Krankheit leben bis zuletzt und können doch auch Heilung und Heil erfahren. So habe ich es immer wieder erlebt in der Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen. Heil und Heilung ist und meint mehr und anderes als körperliche Unversehrtheit, wenn ich es bruchstückhaft ausdrücken darf: ein Ganzsein mit sich selbst, ein Zufriedensein mit seinem Leben und Einstimmen in die eigene Begrenztheit und Endlichkeit, ein Leben im Shalom Gottes, letztlich, wie Augustinus es sagt ‚Unruhig ist mein Herz, bis es ruht in dir, mein Gott.’
Die Psalmen haben für mich mit ihrer Ausdrucksstärke und Klarheit eine große Bedeutung in den seelsorgerlichen Begegnungen, sie sind ein reicher Gebetsschatz, nicht nur dann, wenn eigene Worte fehlen.

Überblick Krankenhäuser

„Seelsorge als ein Subsystem im Gesamtsystem Krankenhaus hat nach meinem Verständnis vorrangig die Aufgabe, Menschen zu begleiten und ihnen bei der (Re-)Konstruktion von Identität im Kontext ihrer gegenwärtigen Lebensumstände behilflich zu sein - im Horizont des christlichen Glaubens. Die Lebensgeschichte der Patienten, ihre Gefühle und Phantasien, ihre Hoffnungen und Ängste, ihr Glaube und ihre Zweifel, mit einem Wort, ihre Befindlichkeit stehen für die Seelsorge im Zentrum der Aufmerksamkeit. Seelsorge arbeitet im Auftrag der Kirche; die jüdisch-christliche Tradition stellt eine ihrer wichtigsten Ressourcen dar: Handlungsleitende Gottes- und Menschenbilder entnimmt sie dieser Tradition.“ (Michael Klessmann)

Für das Krankenhaus bietet die Seelsorge einen wesentlichen Beitrag zum Heilungsprozess durch die Gesprächsmöglichkeiten zu den existentiellen Fragen, die seelische, geistliche und spirituelle Begleitung in Gebeten, rituellen Handlungen (Abendmahl, Beichte/Vergebung, Handauflegen/Segnen, Salbung) und Gottesdiensten. Als Seelsorgerin begegne ich im stationären und im ambulanten Bereich Menschen in Krisensituationen des Lebens, die offen und bereit sind, im Glauben und in der Spiritualität eine Hilfe für ihr Leben, für den Umgang mit ihrer Erkrankung zu suchen und zu finden.

In diesem Sinne bin ich in meiner 18-jährigen Tätigkeit als Krankenhausseelsorgerin der evangelischen Friedenskirchengemeinde Bonn meinem ursprünglichen Berufswunsch als Brückenbauerin treu geblieben; denn in meinem Beruf habe ich täglich die wunderbare Chance immer wieder Brücken bauen zu dürfen, mit und für den einzelnen Menschen zu sich selbst und zu seinem sozialen Umfeld und auch zu Gott und von Gott zum Menschen. Dies ist auch für mich selbst eine erfüllende und Sinn gebende Lebensaufgabe.

 

Manuela Quester / 03.06.2018



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