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für den 24.11.2017

Der HERR wird den Armen nicht für immer vergessen; die Hoffnung der Elenden wird nicht verloren sein ewiglich.

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Projekt 2008

Internationale Jugendchor Begegnung Bonn-KusiniA (Tansania) - Pfarrerin Stefanie Graner berichtet:

Der Jugendchor aus KusiniA (Tansania) LupeDer Jugendchor aus KusiniA (Tansania)

Die Vorgeschichte:

Die Friedenskirchengemeinde engagiert sich seit 2000 in der Partnerschaft des Kirchenkreises mit Tansania, die schon mehr als 35 Jahre besteht.
Ich habe seitdem mehrere Delegationen begleitet, die zu uns nach Bonn kamen, und durfte 2005 selbst mit der Delegation des Kirchenkreises nach Tansania reisen.

In dieser Zeit habe ich die Freuden dieser Partnerschaft aber auch die Probleme erlebt. Ein Punkt, der mir immer wieder auffiel und auch von den Partnern selbst geäußert wurde, war das Gefälle in der Partnerschaft, in der sich unsere Partner oft als Bittsteller empfinden und versuchen, es uns recht zu machen.
Durch Zufall lernte ich 2007 auf dem Kirchentag das deutsch-namibianische Chorprojekt „Over Bridges“ kennen und hatte sofort das Gefühl, dass ein solches Projekt eine Begegnung auf Augenhöhe ermöglicht. Mir fielen die vielen tollen Chöre ein, die ich in Tansania erlebt hatte.

Ich erzählte von dieser Idee in der Dienstbesprechung und Katharina Wulzinger, unsere Kantorin, erzählte von einem internationalen Jugendchorfestival, das 2008 in Bonn stattfinden würde. Eine Idee war geboren und mit der Unterstützung vieler wurde sie umgesetzt.

Gemeinsamer Auftritt mit dem Jugendchor der Friedenskirche LupeGemeinsamer Auftritt mit dem Jugendchor der Friedenskirche

Die Begegnung:

Am 18.6.2008 haben unsere Kirchenmusikerin Frau Wulzinger und ich unsere Gäste aus unserem Partnerkirchenkreis Kusini A in Tansania in Frankfurt am Flughafen in Empfang genommen.

Der Chor bestand aus sechs Frauen und fünf Männern im Alter von 18 bis 23 Jahren und dem Chorleiter Godwin Mugizi, der 26 Jahre alt ist. Begleitet wurde der Chor von Pastor Jackson Ruguma, dem Vorsitzenden des Partnerschaftskommitees, der schon im November 2007 Mitglied der Delegation war, und von Helena Bejumula, die ehrenamtlich in der Frauenhilfe in Kusini A mitarbeitet und die unsere Delegation 2005 in Tansania begleitet hatte.

In Bonn auf dem Kirchplatz der Friedenskirche erwarteten uns schon die Gastfamilien. Die Tansanier waren jeweils zu zweit bei Familien unseres Jugendchores untergebracht, die schon ganz neugierig auf ihre Gäste waren. Wir haben dann spontan bei strahlendem Sonnenschein ein Danklied für die gute Ankunft gesungen und die Tansanier haben mit einem afrikanischen Lied geantwortet. Schon zu diesem Zeitpunkt wurde deutlich, dass alle sehr fröhlich und neugierig aufeinander waren, was die ganze Begegnung über immer wieder spürbar war und was mich immer wieder sehr gefreut hat.

Dann sind alle schnell nach Hause, um bereits um 19.00 Uhr wieder in der Kreuzkirche zu sein zum Eröffnungskonzert des internationalen Chorfestivals „Youth Choirs in Movement“, das vom 18.-21.6.2008 von Europa cantat hier in Bonn veranstaltet wurde und zu dem Kinder und Jugendchöre aus ganz Europa und aus Tansania angereist waren, insgesamt etwa 1000 Kinder und Jugendliche. Die beiden Jugendchöre Bonn und Tansania haben an diesem Festival teilgenommen. Sie haben in Workshops und Ateliers gearbeitet und sind dabei auch Chören und Chorleitern aus Ungarn, der Türkei, aus Litauen, den Niederlanden, Norwegen und Spanien begegnet.

Am 20.6.2008 haben unsere beiden Chöre im Rahmen des Festivals morgens ein Konzert am Amos-Comenius-Gymnasium in Bad Godesberg und am Abend im Clara-Schumann-Gymnasium Bonn gegeben. Für die Konzerte hatten der Jugendchor der Friedenskirche und der tansanische Jugendchor jeweils ein eigenes, kleines Programm vorbereitet, so dass alle, die unterschiedliche Art des Musizierens der jeweils anderen hautnah erleben konnten. Außerdem hatten wir auf die Schnelle ein afrikanisches Lied mit Bewegungen gemeinsam gelernt. „Nitazame milima – ich hebe meine Augen auf zu den Bergen…“ aus Psalm 121. Dieses Lied bildete die Mitte der Konzerte und es war eine Freude zu sehen, wie gerne beide Chöre zusammen musiziert haben. Es war auch eine Freude, zu sehen mit welchem Stolz, welcher Begeisterung und Lebensfreude, die afrikanischen Gäste gesungen, getrommelt und getanzt haben.

Und es war schön zu erleben, wie das gemeinsame musikalische Programm mit deutschen und afrikanischen Liedern im Laufe der 14 Tage gewachsen ist. Am Samstag fand nachmittags das Abschlusskonzert des Ateliers und am Abend das Abschlusskonzert des Festivals statt. Danach haben alle Festivalteilnehmer miteinander im Clara-Schumann-Gymnasium gefeiert.

Am 22.6.2008 fand in der Friedenskirche ein Festgottesdienst statt, an dem auch Ulrike Hensel-Kornblum und Pfarrerin Sabine Heimann vom Gemeindedienst für Weltmission und Ökumene teilnahmen. Sabine Heimann hatte uns schon bei der Vorbereitung der Begegnung unterstützt (z.B. Ausarbeitung des Programms, Information der Jugendlichen und der Gastfamilien) und hatte während der Begegnung immer wieder an Programmpunkten auch beratend teilgenommen.

Im Anschluss an den Gottesdienst haben die beiden Chöre nochmals ein Konzert gegeben, was die Gemeinde mit großer Anteilnahme wahrgenommen hat, und der Funke der Begeisterung sprang über, wie man auch beim anschließenden gemeinsamen Mittagessen merken konnte.Immer wieder wurde aus der Gemeinde geholfen, angepackt und unterstützt und mit Freude die Begegnung gesucht. Am Nachmittag war dann zum ersten Mal Zeit, sich ein bisschen in den Gastfamilien aufzuhalten, was alle sehr genossen haben.

Auf der gemeinsamen Freizeit ... LupeAuf der gemeinsamen Freizeit ...

Leben in den Gastfamilien:

Vom 23.-25.6.2008 sind die afrikanischen Gäste vormittags mit den Bonner Jugendchormitgliedern in die Schule gegangen und haben in den Familien mitgelebt.
Nachmittags standen ein Besuch im Posttower und bei der Deutschen Welle auf dem Programm. Beide Besuche haben unsere Gäste sehr interessiert.

Ganz andere Erfahrungen wurden dagegen mit Stadtbummeln und dem Einkaufen gemacht, woran unsere Gäste kein Interesse hatten. Im Vorfeld der Begegnung hatte ich große Bedenken, ob es richtig ist, die tansanischen Gäste zu uns nach Deutschland einzuladen. Ich war selbst 2005 bei unseren Partner in Tansania zu Besuch gewesen und hatte gesehen, unter welchen Umständen sie leben. Ich stellte mir den Schock vor, der unter Umständen ausgelöst würde durch den Wohlstand und den Überfluss, der in unserem Land herrscht. Hier zeigte sich aber, dass unsere Gäste durch ihren mehrtägigen Aufenthalt zu Visumsangelegenheiten in Daressalam schon in ihrem eigenen Land festgestellt hatten, wie unterschiedlich das Leben sein kann. Besonders beruhigend für mich war, dass sie mir mitteilten, dass sie Daressalam schöner finden als Bonn.Auch hatte ich den Eindruck, dass sie selbst gut auf sich aufpassen konnten, indem sie zum Beispiel deutlich geäußert haben, dass sie kein Interesse an Stadtbummeln haben. Ich will aber auch nicht verschweigen, dass mir einer der jungen Männer bei einem Spaziergang sagte, dass er sich wünschte, das Leben, das er hier in den vierzehn Tagen gelebt hat, in Tansania weiter zu leben, aber dass er weiß, dass das nicht möglich ist.

Gemeinsame Rüstzeit mit beiden Chören:

Am 25.6. nachmittags sind Frau Wulzinger und ich mit den beiden Chören in die Jugendherberge nach Bad Honnef zu einer gemeinsamen Rüstzeit aufgebrochen. Richard Landsberg und Pfarrer Michael Verhey sind als männliche Begleitung mitgefahren. Auch Superintendent Eckart Wüster kam zur Abfahrt, um seine guten Wünsche für die Begegnung mit auf den Weg zu geben.

Wir hatten für die Tage einerseits ein musikalisches Programm vorbereitet, für das Frau Wulzinger verantwortlich war. Die Jugendlichen haben weitere Lieder der jeweils anderen Gruppe gelernt, zum Teil auch mit Bewegungen. Andererseits hatte ich Arbeitseinheiten vorbereitet, in denen die Jugendlichen inhaltlich miteinander arbeiten konnten, um sich gegenseitig etwas von ihrem alltäglichem Leben, ihrem Land und ihren Wünschen für die Zukunft zu erzählen, aber auch, um sich darüber auszutauschen, was ihnen bei den anderen fremd ist und was sie nicht verstehen. In der ersten Arbeitseinheit haben die Jugendlichen nach Geschlechtern und Herkunftsländern getrennt Theaterstücke zum Thema „Ein ganz normaler Tag in meinem Leben“ entwickelt, die wir uns dann gegenseitig vorgespielt und darüber gesprochen haben.

Zur Frage „Was ich Dir unbedingt über mein Land erzählen möchte“ wurden von den Mädchen Bodenbilder erstellt. Die Jungen haben anhand eines Gegenstandes erzählt, was die anderen von ihrem Land wissen sollten. In den Ländergruppen wurden „Unsere Fragen aneinander“ gesammelt. Was hat mir gut gefallen, was war mir fremd, was habe ich nicht verstanden? In Einzelarbeit haben die Jugendlichen ein Bild erstellt „Mein Leben 2018“. Die Bilder wurden einander in gemischten Kleingruppen vorgestellt. Es war sehr interessant, so viel voneinander zu erfahren und es gab Themen wie „Respekt vor den Eltern“, „Schläge als Erziehungsmittel“, „Wie drückt sich Liebe zu den Kindern aus?“, „Freundschaft, Liebe, Partnerschaft“ und „Frauenrechte“, die immer wieder sehr lebhaft diskutiert wurden.

Neben Musik und inhaltlicher Arbeit blieb Zeit für Spiele und die Fußball - Europameisterschaft. Auch da war es wirklich nett, zu beobachten, wie gemeinsam mitgefiebert wurde. Die Morgenandachten wurden abwechselnd von deutschen und tansanischen Jugendlichen vorbereitet.

Der letzte gemeinsame Tag:

Am 29.6.2008 sind wir nach dem Mittagessen nach Troisdorf aufgebrochen, wo am Nachmittag in der Stadtkirche das letzte gemeinsame Konzert stattfand. Die beiden Chöre sind gemeinsam zu afrikanischen Liedern ein- und ausgezogen und haben deutsche und afrikanische Lieder gemeinsam vorgetragen. So war im Laufe der Tage auch das gemeinsame musikalische Programm kräftig gewachsen.

Nach dem Konzert ging es zurück zur Friedenskirche, wo mit den Gastfamilien und Gemeindegliedern Abschied gefeiert und das Finale der Fußball-Europameisterschaft gesehen wurde. Die Jugendlichen haben ein letztes Mal gemeinsam auf der Kirchwiese und im Gemeindehaus übernachtet.

Abschied nehmen:

Am Montag, den 30.6.2008, fand von 11.00 Uhr bis 13.00 Uhr eine gemeinsame Auswertung der Begegnung statt, bei der uns noch einmal Pfarrerin Sabine Heimann begleitet hat. Hierbei wurde sowohl von den deutschen als auch von den tansanischen Jugendlichen betont, wie viel Freude es gemacht hat, zusammen zu sein und Musik miteinander zu machen. Beide Seiten haben viel voneinander gelernt, die Diskussionen als gut empfunden und sogar einen neuen Blick auf das eigene Leben gewonnen.

Mehrfach haben die afrikanischen Gäste ihren Dank ausgesprochen, für die Einladung nach Deutschland, für die Gastfreundschaft in den Familien, in denen sie sich als Kinder der Familie gefühlt haben, und für die Freundschaft der deutschen Jugendlichen. Beide Seiten haben den Wunsch, dass diese Freundschaft weiter wächst. Pastor Ruguma hat erzählt, dass man in Afrika sagt, dass da wo viele Menschen zusammen kommen, auch Fehler gemacht werden. Darum bittet er da, wo sie Fehler gemacht haben, um Entschuldigung. Er hat uns herzlich nach Tansania eingeladen für nächstes Jahr oder später und gesagt, dass wir willkommen sind und Gott dafür sorgen wird, dass wir uns wieder sehen. Dann wurden dem Jugendchor die afrikanischen Chorgewänder als Gastgeschenk überreicht.

Auch für die Zukunft unserer Partnerschaft gab es einige Ideen: Emails und Briefe, Begegnungen (evtl. in Tansania), Austausch von Liedern (Aufschreiben der Noten und Texte und an Partner senden), Symbol für Freundschaft (z.B. Freundschaftsbändchen, die der Jugendchor herstellen und nach Tansania senden möchte.) Schon bei der Auswertung flossen Tränen und auch der Abschied voneinander wurde von Tränen auf beiden Seiten begleitet, was ein schönes Zeichen war, da es noch einmal deutlich machte, wie sehr wir uns in diesen Tagen ans Herz gewachsen waren.

Danach haben Frau Wulzinger und ich die tansanischen Gäste zum Flughafen nach Frankfurt gebracht und endgültig verabschiedet, nicht ohne einander zu versichern, dass wir uns vermissen werden und hoffen, uns eines Tages wieder zu sehen. Es war in meinen Augen eine sehr gelungene Begegnung und die Beteiligten äußern immer wieder, wie dankbar sie sind, das erlebt haben zu dürfen. Ich danke allen, die dazu beigetragen haben und ich danke Gott, dass er seine schützende Hand über uns gehalten hat.

Stefanie Graner

Ansprechpartnerinnen:

Pfarrerin Stefanie Graner
Tel. 0228 - 5 38 70 66
Email: s.graner[at]friedenskirche-bonn.de

Kantorin Katharina Wulzinger
Telefon: 0228 - 9 15 60 96
EMail: k.wulzinger[at]friedenskirche-bonn.de

 

 

03.08.2011



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